»Tea Time« – Die beliebte britische Tradition in Jane Austens Werken

In den Werken Jane Austens ist Tee stets im Zentrum gesellschaftlicher Anlässe. Was es damit auf sich hat und was es braucht, um sich ein Stückchen von Austens Welt nach Hause zu holen

Inspiration Kochen und Backen Essen und Trinken

Wer Jane für eine Autorin einfach gestrickter Liebesromane hält, der tut dieser witzigen, schlagfertigen und intelligenten Frau Unrecht. In ihren Werken und Briefen zeigt sich, mit welch feiner Ironie sie die Gesellschaft kritisiert und auf die Schippe nimmt. Weder der Klerus noch der Adel werden von ihrer geistreichen Kritik verschont. Und auch keine ihrer Heldinnen ist perfekt. Alle Charaktere sind trotz größerer oder kleinerer Schwächen auf ihre Weise liebenswert und laden dazu ein, sich mit ihnen zu identifizieren. Vielleicht ist es das, was Jane Austen auch heute noch so faszinierend macht: ihr unverstellter Blick auf die Realität und ihr unerschütterlicher Optimismus.

Was uns das Teetrinken zur gesellschaftlichen Stellung in Austens Büchern verrät

Hierbei spielten Tee und das Teetrinken als gesellschaftlicher Anlass in ihren Büchern als auch in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Dies sagte viel über den sozialen Status einer Person aus, handelte es sich doch um ein sehr kostspieliges Vergnügen.

Der aus China kommende Tee wurde erstmals 1662 durch die Portugiesin Katharina von Braganza, die Ehefrau von König Charles II., an den englischen Hof gebracht. Zu Anfang war er ebenso beliebt wie Kaffee, allerdings bevorzugten um 1700 immer mehr Briten Tee. Frauen hatten jedoch in den englischen Kaffeehäusern, in denen zu Beginn Tee serviert wurde, keinen Zutritt. Als Alternative öffneten so genannte Teegärten. In ihnen war es Frauen erlaubt, ihren Tee in Gesellschaft zu trinken. Aber bereits zu Austens Lebzeiten gab es nur noch wenige Teegärten. Man zog sich für den Teegenuss zunehmend ins Private zurück.

Mit dem Tee kam zudem das chinesische Porzellan in Mode. Es wurden Tassen, Teller und allerhand anderes Geschirr nach England importiert. Wunderschönste handgefertigte Werke fanden ihren Platz in den Schränken der gut betuchten Oberschicht. Zwischen den Damen der Gesellschaft brachen regelrecht Wettbewerbe aus, denn jede wollte das erlesenste Tee-Service besitzen und den besten Tee servieren.

Die Tee-Zubereitung lag in den Händen der Frauen

Es war Brauch, dass die Damen des Hauses für die Zubereitung des Tees verantwortlich waren. Auch beauftragte man zur Zeit Jane Austens niemals die Dienerschaft mit der Teezubereitung. Tee war kostspielig und man hatte Angst vor Verschwendung oder Diebstahl. Zu Austens Zeiten kostete ein Pfund des besten Tees bis zu 20 Schilling. Dies entspricht dem halben Monatslohn eines ungelernten Arbeiters.

In der Familie Austen wurde die Tradition des Teetrinkens zelebriert und man lud häufig Gäste dazu ein. Es handelte sich im Gegensatz zur Dinner-Einladung um eine weniger kostenintensive Form der Gastfreundschaft, denn bei der so genannten »Tea Time« musste man kein großes Menü auffahren. Stattdessen reichte man Kleinigkeiten wie Muffins, Brötchen, Sandwiches und Kuchen. Zu Austens Zeiten wurde der Tee allerdings nicht wie heute zwischen dem Mittag- und dem Abendessen gereicht, sondern nach dem Dinner, welches zwischen 15 und 16 Uhr stattfand. So traf man sich gegen 18 Uhr zu Tee und leichtem Gebäck. Nach dem Tee begann der gesellschaftliche Teil des Tages: Man saß zusammen, unterhielt sich, las, erledigte Handarbeiten oder spielte Karten. Solche Szenen findet man auch immer wieder in Jane Austens Romanen.

Die Entwicklung des »Afternoon Tea« bis ins 20. Jahrhundert

Der heute bekannte »Afternoon Tea« oder auch »Five o’Clock Tea«, den jeder mit den Briten in Verbindung bringt, entstammt dem viktorianischen Zeitalter um 1840. Die Dinner-Zeiten hatten sich zunehmend weiter nach hinten verschoben.

In der Literatur liest man immer wieder den Namen Lady Anna Maria Stanhope, Duchess of Bedford, eine Hofdame Queen Victorias, welche den uns bekannten Nachmittagstee erfunden haben soll. Die Herzogin soll angeblich zum Tee einige kleine Leckereien gegessen haben, da sie zwischen den Mahlzeiten meist Hunger plagte. Oft lud sie dazu Freundinnen und Bekannte ein. Diese sorgten so für eine zunehmende Popularität des »Afternoon Tea«. Die neue Mahlzeit entwickelte sich zu einer Tradition, die bis heute besteht.

Doch es gibt noch weitere Teemahlzeiten, welche bei verschiedenen Anlässen oder zu unterschiedlichen Tageszeiten angeboten werden. Zwischen 16 und 17 Uhr trinkt man den so genannten »Low Tea«. Hierbei werden süße oder pikante Speisen und Köstlichkeiten gereicht, z.B. Sandwiches und Törtchen. Des Weiteren gibt es den »Cream Tea«, der traditionell aus Tee und Scones mit Clotted Cream und Konfitüre besteht, sowie dem »High Tea«, welcher oft nach dem Abendessen gereicht wird. Eine weitere Form ist der »Royal Tea« – ebenfalls ein Nachmittagstee – zu welchem allerdings wahlweise auch Champagner oder Sherry gereicht werden.

Ob zu Austens Zeiten oder heutzutage: Der Tee gehört für uns eindeutig zur Lebensart der britischen Kultur. Und so bringen uns eine Tasse Tee und ein paar kleine Köstlichkeiten dem von Jane Austen so geliebten England ein Stück näher.

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