Picknick mit Jane Austen
In der Welt von Jane Austen war ein Picknick weit mehr als nur ein Mahl im Grünen. Es war ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem nicht nur gutes Essen, sondern auch angenehme Gespräche eine große Rolle spielten.
Gesellschaft Essen und Trinken RezeptPicknicks und Landpartien bei Jane Austen
Im Hintergrund die malerische englische Landschaft mit ihren sanften Hügeln, grünen Wiesen und verträumten Örtchen, im Vordergrund eine Gruppe elegant gekleideter Menschen, die ein üppiges Picknick voller kalter und lauwarmer Köstlichkeiten genießen – so kann man sich das berühmte Picknick auf dem Box Hill vorstellen, eine Schlüsselszene in Jane Austens (1775–1817) Roman »Emma«. Der Roman wurde u.a. 1996 mit Gwyneth Paltrow und Jeremy Northam in den Hauptrollen verfilmt. Einige Fotos in diesem Buch zeigen Szenen aus dem Film. Tatsächlich ist Jane Austen eine der ersten, die den Begriff »Picknick« in der Literatur überhaupt verwendet, denn während Menschen zwar seit jeher Mahlzeiten draußen eingenommen haben, zum Beispiel während einer Pause bei der Feldarbeit, entwickelte sich die Idee, ein elegantes Mahl al fresco einzunehmen, erst zur Zeit der Romantik: Plötzlich galten Landschaften als malerisch, Dichter schrieben über die Schönheit der Natur und Draußensein war en vogue.
Der Begriff Picknick selbst entstand im 17. Jahrhundert in Frankreich aus piquer (»aufpicken«) und nique (»Kleinigkeit«), allerdings meinte man damit informelle Treffen, die drinnen stattfanden und zu denen jeder Gast etwas mitbrachte. Mit adeligen Flüchtlingen der Französischen Revolution gelangte das Wort nach England. Wie bei den französischen Pique-niques brachte jeder Gast eines Regency-Picknicks mindestens ein Gericht zum Teilen mit. Ein Gastgeber oder eine Gastgeberin organisierte nicht nur die Auswahl der Speisen, die sorgfältig in Flechtkörben aus Weidenzweigen verpackt wurden, sondern auch die Kutschen und die Diener, welche für den Transport und das Arrangement der Köstlichkeiten und der eventuell mitgebrachten Möbel zuständig waren.
Für ihr Picknick bevorzugt Emma im gleichnamigen Roman eine Gruppe von wenigen, vertrauten Menschen:
Emma war noch nie auf dem Box Hill gewesen; sie wollte sehr gerne sehen, was alle so sehenswert fanden, und sie und Mr. Weston hatten vereinbart, an einem schönen Morgen dorthin zu fahren. Nur zwei oder drei weitere Auserwählte sollten mitkommen dürfen, und es sollte auf eine ruhige, einfache, elegante Weise geschehen, die den hektischen Vorbereitungen, dem sonst üblichen Essen und Trinken und dem Picknick-Aufmarsch der Eltons und Sucklings bei Weitem überlegen war.
Dank Mr. Weston, der zahlreiche andere Gäste einlädt, ist Emma zu ihrem Leidwesen jedoch plötzlich Teil einer großen Picknickgesellschaft. Wochenlang sorgt der geplante Ausflug für Vorfreude und Kummer, als das Ganze wegen eines lahmenden Kutschpferdes verschoben werden muss. Schließlich ist der große Tag da, wird aber Emmas hohen Erwartungen nicht gerecht: Alles ist zwar perfekt geplant und verläuft reibungslos, nur die Unterhaltung zwischen den Gästen ist durch übertriebene Schmeicheleien, Langeweile und unterschwellige Spannungen geprägt.
Schließlich macht Emma eine gemeine Bemerkung gegenüber der mittellosen, unverheirateten Miss Bates, was ihr eine Rüge von Mr. Knightley einbringt. So endet der Picknickausflug für Emma mit Tränen, die aber zu einem Umdenken und letzten Endes zu ihrem Glück mit Mr. Knightley führen. Neben der Picknickszene in »Emma« spielen Ausflüge in Jane Austens Romanen eine große Rolle. Wie ihre Heldin Elizabeth Bennet in »Stolz und Vorurteil« liebte es Jane Austen, sich in der Natur aufzuhalten. Am 24. Oktober 1808 berichtet sie ihrer Schwester Cassandra von einem Ausflug mit ihren vierzehn- und zwölfjährigen Neffen Edward und George:
»Wir haben gestern einen kleinen Ausflug auf dem Wasser unternommen; ich und meine beiden Neffen fuhren mit der Itchen-Fähre nach Northam, wo wir an Land gingen, uns die 74 [ein Kriegsschiff] ansahen und zu Fuß nach Hause gingen, und es hat uns so gut gefallen, dass ich vorhatte, sie heute nach Netley mitzunehmen; die Flut ist gerade richtig, um gleich nach Mittag loszufahren, aber ich fürchte, es wird regnen; wenn wir es nicht so weit schaffen, können wir vielleicht von der Fähre zum Kai fahren. Ich hatte gestern nicht vor, mehr zu tun als den Itchen zu überqueren, aber es war so angenehm und hat allen so gut gefallen, dass wir uns, als wir die Mitte des Flusses erreicht hatten, darauf einigten, uns den Fluss hinaufrudern zu lassen.«
Jane reiste gerne und besuchte beispielsweise ihre Brüder Henry in London oder Edward auf einem seiner eleganten Landsitze Godmersham oder Goodnestone in der Grafschaft Kent. Für eine Frau war es damals nicht möglich, unbegleitet in einer öffentlichen Kutsche zu reisen, sodass Jane ihre Reisen immer so planen musste, dass ein (männlicher) Verwandter sie an ihren Wunschort bringen konnte. Neben der aufwändigen Planung der Transportmittel hatten Reisende und Ausflügler noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen:
»Stell Dir nur vor: Mein Koffer ist bereits angekommen! Und was das wundersame Glück noch vervollständigt: Nichts ist beschädigt«,
schreibt Jane Austen am 15. Juni 1808 an ihre Schwester Cassandra. Dazu kam der Faktor »Wetter«, der großen Einfluss auf das Gelingen eines Ausflugs oder einer Reise hatte. In einer
offenen Kutsche war man dem Straßenstaub und Wetter schutzlos ausgeliefert. Und auch hier wurde es nicht gern gesehen, wenn unverheiratete Damen nur mit männlicher Begleitung
unterwegs waren. [...]
Zubereitung:
1. Für den Teig das Mehl mit dem Salz mischen, auf der Arbeitsfläche anhäufen und in der Mitte eine Mulde eindrücken. Das Ei hineingeben und die kalte Butter in Stücken auf dem Mehlrand verteilen. Alles mit einem Messer krümelig hacken, dann mit den Händen rasch zu einem geschmeidigen Teig verkneten. In Frischhaltefolie gewickelt im Kühlschrank ca. 30 Minuten ruhen lassen.
2. Den Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen. Sechs bis acht Förmchen (10–12 cm Ø) mit Butter ausfetten und mit Mehl ausstreuen, überschüssiges Mehl ausklopfen.
3. Den Speck ca. 2 cm groß würfeln und im heißen Öl kurz anbraten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die Tomaten waschen und halbieren. Die Crème fraîche mit den Eiern und dem Käse in einer Schüssel verquirlen und mit Pfeffer, Muskat und ein wenig Salz würzen.
4. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen, Kreise etwas größer als die Förmchen ausstechen und diese damit auskleiden. Die Speckwürfel gleichmäßig darin verteilen und die Eimasse darübergießen. Jeweils 2 Tomatenhälften mit der Schnittfläche nach oben eindrücken und alles mit Pfeffer übermahlen. Die Tartelettes im Ofen 30–35 Minuten backen. Etwas abkühlen lassen und noch heiß oder lauwarm mit Oregano garniert servieren.
Zutaten für 6-8 Tartelettes:
Teig
250 g Mehl + etwas für die Förmchen und zum Arbeiten
½ TL Salz
1 Ei
150 g kalte Butter + etwas für die Förmchen
Belag
100 g Speck in Scheiben
1 TL Pflanzenöl
6–8 Kirschtomaten
200 g Crème fraîche
4 Eier
50 g geriebener Käse, z. B. Gruyère
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
frisch geriebene Muskatnuss
Salz, Oreganoblättchen zum Garnieren (optional)
Picknick mit Jane Austen
Rezepte & Zitate
Jane Austen beschreibt in ihrem Roman »Emma« einen Ausflug ins Grüne. Picknicks waren damals ein beliebter Zeitvertreib: Draußen sein und bei herzhaften Snacks und himmlischen Kuchen die Natur genießen, ein erfrischender Eistee, dazu angenehme Gesellschaft und gute Gespräche – was könnte es Schöneres geben an einem sonnigen Frühlingstag oder an einem Sommernachmittag?
Genießen Sie Ihr Picknick wie bei Jane Austen – mit Sandwiches, herzhaften Scones und erfrischenden Limonaden, frischen Früchten und köstlichen Törtchen.


