Die Nachtigall beherrscht bis zu 300 Strophen

7 spannende und kuriose Fakten über unsere heimische Vogelwelt

Reportage Natur

1 – Federn

Leicht und extrem stabil, scheinen Federn wie gemacht fürs Fliegen zu sein. Doch haben sie sich zuerst an den Dinosauriern entwickelt. Schon ein Vorfahre des Tyrannosaurus lief mit Federn herum. Die Federn dienten wahrscheinlich ursprünglich dazu, die Tiere zu wärmen. Auch dafür sind Federn extrem gut geeignet, wie jeder weiß, der eine Daunendecke oder -jacke besitzt.

Den Vögeln, die sich aus den Dinosauriern entwickelten, halfen die Federn, die Luft zu erobern. Sie senken den Luftwiderstand an der Körperoberfläche, so dass der Vogel leichter durch die Luft gleitet, sie sind extrem leicht und gleichzeitig dicht gegen Wind und Wasser. Vögel pflegen ihr Gefieder regelmäßig, indem sie sich putzen. Dabei verteilen sie Fett von einer Drüse am Bürzel über die Federn und halten diese so wasserabweisend und geschmeidig. Trotzdem nutzen sich Federn ab. Sie reiben aneinander und werden dadurch dünner; das Sonnenlicht macht sie auf die Dauer brüchig. Daher mausern sich die meisten Vögel ein- oder mehrmals im Jahr, um ihr Gefieder zu erneuern, manchmal auch, um die Farben zu wechseln, je nachdem ob gerade die Tarnung wichtiger ist oder ein farbiges Gefieder, um Artgenossen zu beeindrucken.


2 – Vögel sehen die Welt bunter

Es ist relativ bekannt, dass viele Haustiere im Vergleich zu uns »farbenblind« sind: Hunde und Katzen fehlt die Sorte von lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut (»Zapfen«), die die Farbe Rot wahrnehmen. Sie erleben ihre Welt in Blau, Gelb und den Mischtönen aus diesen Farben.

Aus der Sicht der Vögel sind wir es jedoch, die farbenblind sind: Neben Zapfen für das Sehen von Gelb, Blau und Rot haben sie noch eine weitere Sorte, die ihnen das Sehen von ultraviolettem Licht ermöglicht. Sie sehen daher mehr als wir, nicht nur diese eine zusätzliche Farbe, sondern auch die vielen Mischungen mit unseren Farben, die dadurch möglich sind.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Blaumeise: Während für uns Menschen männliche und weibliche Blaumeisen gleich aussehen, können die Vögel beide Geschlechter leicht auseinanderhalten, weil die Männchen viel mehr UV-Strahlen reflektieren als die Weibchen. Aber auch reife Früchte strahlen für hungrige Vögel in UV-Wellenlängen, und Greifvögel sehen die Urinspuren der Mäuse in diesem Licht. Bei einigen Vogelarten, zum Beispiel bei Adlern, Tauben und Möwen, hat man außerdem eine fünfte Art von Zapfen gefunden. Diese Vögel sehen wahrscheinlich Abstufungen, wo wir nur Weiß erkennen.

Doch das ist noch nicht alles: Kleine Öltropfen auf den Zapfen sorgen für weitere Abstufungen in der Farbwahrnehmung, und wahrscheinlich können besonders Zugvögel auch eine weitere Eigenschaft des Lichts, die Polarisierung, wahrnehmen und dadurch direktes Licht von Streulicht unterscheiden. Vögel sind also nicht nur selbst bunter als viele andere Tiere, sie nehmen die Welt auch bunter wahr als wir.


3 – Vögel hören schneller

Vogelgesang erscheint uns erstaunlich reich und vielseitig. Er ist aber noch viel komplexer, als wir ahnen: Forscher haben festgestellt, dass Vögel pro Sekunde ungefähr zehnmal so viele Töne wahrnehmen können wie wir. Viele Töne des Vogelgesangs entgehen uns also, weil sie für unser Ohr miteinander verschmelzen.

Wer sich vorstellen möchte, wie Vogelgesang für die Vögel selbst klingt, kann auf YouTube nach »Vogelgesang verlangsamt« suchen, noch mehr Filme gibt es unter »birdsong slowed down«. Dort kann man in verlangsamten Aufnahmen hören, wie viel Musik im Vogelgesang steckt. Besonders hübsch ist der Zaunkönig anzuhören (Suchwort englisch wren).

4 – Zahlen und Rekorde

Bis zu 300 verschiedene Strophen beherrscht ein Nachtigallenmännchen.


5 – Friedrich II und sein Falkenbuch

Im Morgen- wie im Abendland galt die Falkenjagd im Mittelalter als edle, herrschaftliche Kunst. Der deutsche Kaiser Friedrich II. lebte an der Schnittstelle dieser beiden Kulturen, in Sizilien. Die Falkenjagd war seine liebste Freizeitbeschäftigung, zeitweise hatte er 50 Falkner an seinem Hof. Friedrich ließ sich Schriften zur Beizjagd aus dem Arabischen übersetzen und erprobte selbst verschiedene neue Methoden der Aufzucht und Haltung. Am Ende seines Lebens schrieb er ein Buch »Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen« (De Arte Venandi cum Avibus), das uns in prachtvoll illustrierten Handschriften überliefert ist.


6 – Lina Hähnle und der Bund für Vogelschutz

Der deutsche Bund für Vogelschutz, Vorläufer des NABU, wurde 1899 von einer Frau gegründet, die ihn auch jahrzehntelang leitete. Lina Hähnle war die Ehefrau eines schwäbischen Fabrikanten. Sie setzte sich für das Wohlergehender Arbeiterfamilien ein, indem sie zusammen mit ihrem Mann eine Krippe und auch Wohnungen für sie einrichtete.

Weitere Kreise in Gesellschaft und Politik zog jedoch ihr Einsatz für gefährdete Vögel und deren Lebensraum. Der Bund für Vogelschutz wuchs unter Linas Hähnles Leitung auf über 40 000 Mitglieder und konnte erstmals kleinere Gebiete kaufen oder pachten, um sie unter Naturschutz zu stellen.

Dass eine Frau einer solch einflussreichen Vereinigung vorstand, war zu jener Zeit sehr ungewöhnlich. Doch wurden auch die amerikanische Audubon-Gesellschaft und die englische Royal Society for the Protection of Birds von Frauen gegründet. Frauen der Oberschicht trugen um 1900 mit exotischen Federn verzierte Hüte, und die Jagd nach diesen Federn brachte einige Vogelarten an den Rand der Ausrottung. Die Royal Society und die Audubon-Gesellschaft begannen mit Frauen, die sich dazu verpflichteten, keine solchen Hüte mehr zu tragen, und die auch in ihrem Umkreis dafür Werbung machten. In einem weiteren Schritt wurden die Vereinigungen politisch und sorgten schließlich für Gesetze, die den Import von Vogelfedern verboten.


7 – Zahlen und Rekorde

90 Dezibel ist die Lautstärke der lautesten heimischen Singvögel, Amsel und Zaunkönig, die beide auch sehr melodische Sänger sind. Beim Zaunkönig ist das besonders erstaunlich, weil er gleichzeitig der kleinste heimische Vogel ist. Der lauteste Vogel der Welt, der Weißglöckner, bringt es auf 125 Dezibel, es »singt« aber nicht, sondern bringt nur wenige, langezogene Töne hervor.


Weitere spannende und kuriose Fakten über unsere heimische Vogelwelt erfahren Sie in unserem Buch »Heimische Vögel – Wissenswertes & Kurioses«.

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