Der größte Pilz der Welt wiegt mehr als ein Blauwal

7 spannende und kuriose Fakten über Pilze

Reportage Natur

1 – Zahlen und Rekorde

Der größte Pilz Europas, von dem wir wissen, ist – wie auch der größte Pilz der Welt – ein Hallimasch: Im schweizerischen Unterengadin wurde 2004 im Nationalpark ein Exemplar entdeckt, das 500 m x 800 m groß ist, das entspricht 40 Hektar.


2 – Recyclingmeister der Natur

Ein neues Material ist aufgekommen – es ist praktisch und dauerhaft und wird schnell überall eingesetzt. Zugleich gibt es noch keine Möglichkeit, es natürlich abzubauen. Schnell türmen sich riesige Mengen von toten Materialresten überall auf der Erde …

Ein Szenario, das uns bekannt vorkommt, das sich aber vor Millionen Jahren schon einmal abgespielt hat, wenn auch über gewaltige Zeiträume. Im Zeitalter des Karbon vor 350 Millionen Jahren verbreiteten sich Pflanzen, die durch verholzte Teile widerstandsfähiger und höher wachsen konnten. Wälder aus Schachtelhalmen und Farnen überzogen die Erde. Möglich wurde das durch Lignin, den Grundbestandteil unseres Holzes. Diese Wunderwaffe der Pflanzen konnte zunächst kein anderes Lebewesen verdauen, und es entstanden riesige Moore, die mit totem Holz gefüllt waren. Zeugen dieses Dramas in der Frühzeit der Erde sind heute die Steinkohle-Lagerstätten im Boden, die aus dem toten Holz des Karbon-Zeitalters entstanden sind.

Erst im folgenden Erdzeitalter 50 Millionen Jahre später verbreiteten sich die Weißfäule-Pilze, die auch Holz zersetzen können. Die Pilze, die uns heute als Holz-Schädlinge erscheinen, waren und sind die Retter vor der Vermüllung des Planeten durch Holz und zugleich vor Nährstoffmangel. Sie zersetzen das Holz und machen so die Nährstoffe, die im Holz gebunden sind, wieder zugänglich für den Kreislauf der Natur.


3 – Hexenringe

Es ist bis heute ein erstaunlicher Anblick, wenn man auf der Wiese oder im Wald auf Pilze trifft, die in einem Ring wachsen. In früheren Zeiten regten diese Pilzringe die Phantasie der Menschen an: An den entsprechenden Stellen sollten Hexen getanzt haben, glaubte man in Deutschland und nannte sie deshalb Hexenringe. In den englischsprachigen Ländern sind es fairy rings, weil hier die Feen tanzten. Wer die Ringe betrat, wurde von den Feen festgehalten, befürchtete man. Heute weiß man, dass die Ringe entstehen, weil sich ein Geflecht von Pilzfäden unter der Erde von einem Mittelpunkt aus gleichmäßig in alle Richtungen verbreitet.

Wenn dieses Myzel länger lebt und wächst, sind schließlich in der Mitte die meisten Nährstoffe aufgezehrt, während an den Außenrändern noch reichlich frische Nahrung zu finden ist. Dort entstehen dementsprechend die Fruchtkörper, die sich aus dem Boden schieben. Der Pilz wird im Gras als Ring sichtbar, der sich jedes Jahr erneuert und eventuell wächst.

4 – Veganes Leder aus Pilzmyzel

Auf der Suche nach veganem Ersatz für Leder wurde schon viel probiert: Kork, Ananasblätter, Kunststoffe … Ein aussichtsreicher Kandidat ist Pilzleder. Das neue Pilzleder wird nicht aus dem Fruchtkörper von Pilzen hergestellt wie früher, sondern aus dem Myzel, also dem Geflecht aus Pilzfäden, das eigentlich in Holz oder Erde wachsen würde, nun aber in gehäckseltem Stroh oder Sägespänen gezogen wird. Die so entstandenen Pilzplatten werden dann weiterverarbeitet. Die Modedesignerin Stella McCartney hat schon eine Handtasche aus solchem Material vorgestellt und ein Sportartikelhersteller einen ganzen Schuh, doch sind beides erst Prototypen, die noch nicht in Serie hergestellt werden. Bisher kann man nur Hüte, Geldbörsen und Uhrbänder aus dem neuen Material kaufen. Die Forschung geht weiter, um dem veganen Pilzleder zur Serienreife zu verhelfen. Weitere Forschung ist auch nötig, weil das Pilzleder noch nicht biologisch abbaubar ist. Bei der Verarbeitung werden immer noch Kunststoffe zugesetzt, die es haltbarer machen sollen. Auch hier sucht man nach natürlichen Lösungen.


5 – Das brennt wie Zunder

Den alten Spruch »das brennt wie Zunder« kennen noch viele, doch weniger Menschen dürften eine genaue Vorstellung vom »Zunder« in dieser Redensart haben. Der Zunderschwamm ist ein Baumpilz, der wie eine umgekehrte kleine Konsole aus dem Baumstamm herausragt. Dabei wächst er von Jahr zu Jahr breiter nach unten. Zunder und Stahl oder Feuerstein waren vor der Erfindung der Streichhölzer die wichtigen Utensilien, um Feuer zu machen. Mit Stahl und Feuerstein wurden Funken geschlagen, die weiterglühten, wenn sie auf den getrockneten Zunder fielen. Dort konnte man das Feuer weiter nähren. Schon Ötzi, der Mann aus der Jungsteinzeit, der gefroren im Gletschereis gefunden wurde, trug um 3200 v. Chr. Zunderstücke bei sich.


6 – Pilze zersetzen Erdöl

In vielen Biologiebüchern wird die Rolle der Pilze im Ökosystem der Erde als »Destruenten« beschrieben. Das heißt wörtlich »Zerstörer« und bezieht sich darauf, dass Pilze auch komplizierte chemische Verbindungen wieder in ihre Bestandteile zerlegen können. Diesen Effekt macht man sich zunutze, um Böden zu reinigen, die mit Erdöl und seinen verschiedenen Produkten verseucht sind.

Viele Baumpilze können mit ihren Enzymen Holz zersetzen, sie rufen damit die so genannte Weißfäule hervor. Dieselben Enzyme können sie auch beim Erdöl einsetzen, das ja aus Holz entstanden ist, um die chemischen Verbindungen zu »knacken«. Auch einige Bakterien können Erdöl im Boden abbauen. Sie haben jedoch Schwierigkeiten, sich gleichmäßig im Boden zu verteilen. Pilzmyzele im Boden helfen ihnen dabei: An ihren Fäden, den Hyphen, reisen die Bakterien wie auf Autobahnen durch das Erdreich. Bisher wird diese Methode erst auf kleinen Flächen eingesetzt. An der Umsetzung für größere Gebiete wird geforscht.


7 – Magic mushrooms everywhere

Magic Mushrooms war ein Zauberwort der Hippie-Bewegung. Die Pilze, die schon die Azteken benutzt hatten, um sich in Rauschzustände zu versetzen, waren danach in Vergessenheit geraten und nur noch wenigen Mitgliedern von Geheimkulten bekannt. Erst 1953 wurden solche Kulte von westlichen Wissenschaftlern in Mexiko wiederentdeckt und die entsprechenden Pilze beschrieben. Sie lösten Pilgerfahrten von Suchenden in die mexikanischen Bergdörfer aus. Darunter waren auch Prominente wie die Beatles, Bob Dylan oder Pete Townsend, die die Erleuchtung durch Drogen suchten. Die meisten der Pilze gehören zur Familie der Kahlköpfe. Das Psilocybin, das sie enthalten, löst ähnliche Rauscherfahrungen aus wie LSD. Heute weiß man, dass auch der in ganz Europa verbreitete Spitzkegelige Kahlkopf die Substanz enthält – die Hippies der 1970er hätten nicht so weit reisen müssen!


Weitere spannende und kuriose Fakten über die Welt der Pilze erfahren Sie in unserem Buch »Pilze – Wissenswertes & Kurioses«.

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