Türchen 19 – Amaryllis
Wie es diese wunderschöne Zwiebelpflanze in unser winterliches Wohnzimmer geschafft hat und wie sie zum Namen »Ritterstern« kam, erfahren Sie hinter dem heutigen Türchen.
Advent Weihnachten NaturRitterstern (Amaryllis)
Eine sehr auffällige Pflanze im Reigen der in der Weihnachtszeit verwendeten Pflanzen ist die Amaryllis, die in den letzten Jahren auch als Schnittblume an Beliebtheit gewonnen hat (besonders beliebt in Kombination mit Seidenkiefer). Bei ihr treffen weihnachtliche Farbgebung (Rot/Grün bzw. Weiß/Grün) und (gesteuerter) Blühzeitpunkt passenderweise zusammen. Ihr eigentlicher botanisch korrekter Name lautet Hippeastrum, eingedeutscht »Ritterstern«. Der Name Amaryllis geht auf eine in der griechischen Mythologie vielfach angebetete Nymphe oder Hirtin (Vergil) zurück, allerdings gibt es daneben noch eine echte Amaryllis, nämlich die in Südafrika beheimatet Belladonna-Lilie (A. belladonna). Beide aber waren ursprünglich durch Carl von Linné (1707–1778) in dieselbe Gattung eingeordnet worden, und erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Gattung Hippeastrum mit ihren 80 Arten nach vielen Diskussionen unter Botanikern endgültig als eigenständig etabliert – allerdings unter dem »Dach« der Familie der Amaryllisgewächse.
Ihren Namen verdanken die Zwiebelpflanzen dem englischen Geistlichen und Hobbybotaniker William Herbert, der ihn 1837 für die imposante Blume erfand, entweder, weil die Knospen an ein Pferdeohr erinnern sollen und die Blüte wie ein sechsstrahliger Stern aussieht, oder, weil die Blüte den Geistlichen, einen Kenner mittelalterlicher Geschichte, an den Morgenstern eines Ritters erinnerte.
Hippeastrum-Arten, von denen es etwa 80 gibt, sind in Südamerika in Gebieten mit ausgeprägter Trockenheit heimisch. Sie wurden durch die Holländer, die »Zwiebelexperten«, im 18. Jahrhundert nach Europa gebracht. Ihr Erscheinen in der Wildform mit maximal zwei Blüten ist graziler als bei den heute erhältlichen Züchtungen, doch gibt es nach mittlerweile 200 Jahren der Zucht hunderte von Sorten in unzähligen Farben und Farbkombinationen mit bis zu sechs Blüten, die vor allem aus den holländischen Gewächshäusern zu uns kommen, aber auch aus Israel, Australien, Südafrika und Südamerika.
… Nimm fort die Amarylle,
du siehst ja: gründlich: – sie setzt
ganz rot, ganz tief, ganz Fülle
ihr Eins und Allerletzt.
Gottfried Benn (1886–1956)
»Amaryllis« zum Blühen bringen
Den Ritterstern erhält man im Handel zumeist als Zwiebel. Diese pflanzt man in einen möglichst kleinen Topf in Erde, sodass maximal die Hälfte der Zwiebel bedeckt ist. Bis die Blütenstiele etwa 20 Zentimeter hoch sind, gießt man fast gar nicht, danach nur sehr sparsam. Nach der Blüte muss man die Blütenstiele radikal kürzen und die Pflanze düngen. Nach den Eisheiligen kann man sie dann im Garten oder auf dem Balkon an ein sonniges Plätzchen stellen.
Entsprechend ihrer Herkunft aus Trockengebieten benötigen die Zwiebelpflanzen im Herbst eine dreimonatige absolute dunkle Trockenphase, wenn man sie im nächsten Jahr wieder zum Blühen bringen möchte. Seit einiger Zeit gibt dekorativ in Wachs gekleideten Amaryllis- Zwiebeln, die auf einem Ständer einfach in den Raum gestellt werden und nach kurzer Zeit und ohne Gießwasser austreiben (nur leider nicht nachhaltig).
