Zum 800. Todestag von Franz von Assisi
Was macht unser Leben reicher? Zu Franz' 800. Todestag lädt Niklaus Kuster dazu ein, den populären Heiligen neu zu entdecken.
Aktuelles LebensweisheitNiklaus Kuster erschließt in seinem Buch »Das Vermächtnis des Franz von Assisi. Prophetische Schriften für heute gelesen« ausgewählte Schriftzeugnisse aus dem Nachlass für unsere Gegenwart. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wozu der Menschen- und Gottesfreund aus Assisi uns heute ermutigen kann – mitten in unseren unterschiedlichen Lebenswelten.
Weniger festhalten, mehr Leben gewinnen
Franziskus’ Armut zielte nicht auf Verzicht um seiner selbst willen. Kuster zeigt, wie ein Leben mit weniger Besitz reich an Beziehungen werden kann. Teilen eröffnet Gemeinschaft; das Loslassen von Ballast schafft Freiheit. Dafür müssen wir Franziskus’ Lebensform nicht nachahmen. Doch seine Haltung lädt zu einer persönlichen Frage ein: Was brauche ich wirklich, und was hält mich unnötig fest? Vielleicht beginnt die Antwort damit, etwas weiterzugeben und dabei selbst beschenkt zu werden.
Einander auf Augenhöhe begegnen
Franziskus’ Blick reicht weit über die eigene Gemeinschaft hinaus. In seinen Briefen entfaltet sich eine geschwisterliche Spiritualität, die Menschen auf Augenhöhe verbindet. Auch die Begegnung mit dem Islam wird für ihn zur Gelegenheit, von anderen zu lernen. Das kann uns ermutigen, im Gegenüber zunächst den Menschen zu sehen, das Verbindende eher als das Trennende. Ein erster Schritt könnte sein, einem ungewohnten Blickwinkel Raum zu geben und aufmerksam zuzuhören, statt vorschnell zu urteilen.
Staunen – auch in dunklen Zeiten
Der Sonnengesang entstand nicht in unbeschwerten Tagen: Franziskus dichtete ihn 1225 nach Wochen schwerer Krankheit und innerer Dunkelheit. Das neu gewonnene Vertrauen in Gottes Nähe ließ ihn Worte des Dankes für die Schöpfung finden. Gerade darin liegt ein tröstlicher Gedanke: Leid und Dankbarkeit müssen einander nicht ausschließen. Vielleicht lädt uns das Lied dazu ein, heute einen Moment innezuhalten und wahrzunehmen, was uns trägt – das Licht, die Erde, die Menschen an unserer Seite.
Barmherzig sein – auch mit sich selbst
Auch Franziskus musste lernen, seinem Körper liebevoll zu begegnen. Niklaus Kuster hebt Selbstsorge als Teil von Franz' Vermächtnis hervor. Dessen Weisheitssprüche ermutigen zugleich dazu, Kritik anzunehmen, eigene Fehler einzugestehen und Schaden wiedergutzumachen. Das eröffnet einen wohltuenden Blick auf unser Zusammenleben: Wir müssen nicht vollkommen sein, um Gutes zu bewirken. Wir dürfen dazulernen. Und wir können anderen denselben Raum zum Wachsen lassen, den wir selbst brauchen.
Das Vermächtnis lebendig halten
In seinem Testament erinnert Franziskus an die Begegnungen mit den Ärmsten, die sein Herz weckten und seinem Leben eine neue Richtung gaben. Sein Vermächtnis bleibt damit eine Einladung, sich berühren und verändern zu lassen. Kusters Buch führt zu diesen Quellen zurück und öffnet sie für die eigenen Lebensfragen.
Vielleicht ehren wir Franziskus zum Jubiläum am schönsten, indem wir etwas davon weitertragen: beherzt teilen, Frieden suchen und die Liebe zu Gott, zu den Menschen, zur Schöpfung und zu uns selbst im Alltag lebendig werden lassen.
