Nolans Odyssee

Wie viel Homer steckt noch in Christopher Nolans »Odyssee«? Unsere Autorin Uta Korzeniewski analysiert die moderne Verfilmung des antiken Epos und zeigt, warum der Film trotz vieler Abweichungen spannende neue Perspektiven auf Odysseus eröffnet.

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»Homer würde sich im Grab umdrehen« – so argumentieren viele Kritiker, denen der neue Film von Christopher Nolan nicht gefällt. Doch Odysseus gehört niemandem – ob es Homer gefallen würde oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob es ein guter Film ist. Homer schöpfte aus einer 400jährigen Tradition für den trojanischen Krieg und aus Erzähltraditionen, die in einzelnen Motiven noch viel weiter zurückgehen (der geblendete Riese z.B. vielleicht bis in die Jungsteinzeit). Es gab neben ihm noch zahlreiche andere Dichter und Sänger, die dieselbe Geschichte anders erzählten (z.B. die Telegonie, über Odysseus‘ Sohn mit Kirke).

Der Schriftsteller Michael Ende konnte verfügen, dass keins seiner Werke mehr aufgeführt würde, nachdem er mit einer Verfilmung unzufrieden war. Aber dieses Recht reicht nur bis 70 Jahre nach seinem Tod, dann ist das Werk »gemeinfrei«. Trotzdem gilt die Odyssee manchen heute als unantastbar, wie ein heiliger Text. Die Griechen respektierten zwar Ilias und Odyssee später auf eine ähnliche Weise wie wir heute vielleicht die Bibel, aber schon die griechischen Dichter nach Homer nahmen sich die Freiheit, Motive aufzunehmen und abzuwandeln, wie es ihnen passte: Bei Sophokles ist Odysseus ein skrupelloser Opportunist, bei Euripides ist die Kyklopengeschichte ein komisches Stück. – Das machen wir mit der Bibel nicht anders: Jedes Jahr erscheinen z.B. neue Krippenspiele: Mal spielen die drei Heiligen Könige die Hauptrolle, mal sogar der Esel.

Nolan musste auf jeden Fall auswählen: Ein Film ist kein Epos: Das Epos würde beim mündlichen Vortrag 16 Stunden (mindestens) dauern, es war nicht dafür gemacht, am Stück vorgetragen zu werden – es gleicht darin eher einer modernen Serie. Außerdem hatte das Epos Aufgaben, die für uns längst andere Medien übernommen haben: z.B. Vermittlung von Weltwissen z.B. über die Geographie, Geschichte und Religion. Der Film dagegen beschreibt nicht, sondern zeigt Bilder. Im Epos berichtet Odysseus seine Abenteuer in einer eingeschobenen Erzählung selbst. Er kann leicht sagen, »das hätte ich besser anders gemacht« – der Film muss diese Botschaft auf andere Weise rüberbringen.

Ehrlich gesagt bin ich mit Vorbehalten in den Film gegangen: 3 Stunden - das kann lang werden. Lang ist es mir aber nicht geworden, obwohl ich nicht die Zielgruppe für Actionfilme bin. Der düstere, von Selbstvorwürfen geplagte Odysseus hat mich gepackt, und ich habe mit Lust nach einer Aussage des Regisseurs gesucht. Ich vermute, sie lautet etwa: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen« oder: In einem dreckigen Krieg kann man nicht anständig bleiben – Beim Aufbruch in den Trojanischen Krieg nimmt sich Odysseus vor, integer zu bleiben. Er will z.B. den Jungen Sinon beschützen, den ihm die Eltern anvertrauen. Er will Troja erobern und als verantwortungsvoller Anführer seine Mannschaft nach Hause bringen. Aber die Welt ist gegen ihn: Sachzwänge, die Götter, menschliche Schwächen … Odysseus opfert Sinon für den Sieg, die Eroberung von Troja artet in ein Gemetzel aus, das weder Frauen noch Tempel respektiert, er kann seine Männer nicht retten, die Toten nicht einmal bestatten, wie es sich gehört. Er hat die Heimkehr nicht »verdient«, und er weiß das auch. Trost ist einzig der neue Aufbruch mit seiner Frau ins Exil. Das ist nicht die Hauptaussage der Odyssee, wie Homer sie geschrieben hat, aber solche Gedanken sind ihr auch nicht fremd.

Was Nolan auswählte

Von einer Hauptaussage der Odyssee zu sprechen ist schwierig, denn sie ist als Epos vielstimmig, nicht so eng wie ein Film oder ein Drama auf eine Aussage hin komponiert. Werte wie Heimat, Familie, Gastfreundschaft durchziehen das Epos. In der Odyssee wie auch in der weiteren Tradition über Odysseus gibt es aber auch diesen Strang, der den Krieg und seine Folgen beklagt. Man kann hier nicht eine »gute alte« Weltsicht mit optimistischen Kriegern und Helden, die sich fröhlich durch die Welt morden, gegen eine moderne, pessimistische Sicht setzen, bei der die Krieger »von des Gedankens Blässe angekränkelt« in PTBS  (= Posttraumatische Belastungsstörung) versinken.

Bei Nolan geht es oft darum, dass der Heldentod vergeblich ist, weil die Toten nicht bestattet werden und sich niemand an sie erinnern wird. In Homers Odyssee werden die Getöteten an mehreren Stellen persönlich vorgestellt, auch ihre Verwandten, die sie beklagen. Es wird Wert auf eine ordentliche Bestattung gelegt (z.B. Elpenor bei Kirke). Während traditionell Ruhm der Lohn für den Heldentod ist, sagt Achilles zu Odysseus an der Unterwelt, er wolle lieber der ärmste Tagelöhner auf der Erde sein als König im Totenreich – das ist schon eine radikale Absage an das Heldenideal.

Nolan zeigt uns am Ende, dass die Göttin Athene für Odysseus das Gesicht eines Mädchens trägt, das seine Krieger bei der Eroberung Trojas im Tempel der Göttin enthauptet haben. Sie ist das Bild für alles, was im Krieg falsch lief, und für seine Schuldgefühle. Nicht in der Odyssee, aber in einem anderen, nur bruchstückhaft erhaltenen Epos aus Homers Zeit, der Iliupersis, geht es der trojanischen Priesterin Kassandra ganz ähnlich: Der Grieche Aias der Lokrer zerrt sie an den Haaren vom Götterbild der Athene weg und vergewaltigt sie noch im Heiligtum. Das schockt selbst die Griechen so, dass sie Aias zunächst auf der Stelle steinigen wollen. Der Frevel erzürnt die Götter, und sie lassen die griechischen Helden nicht glücklich heimkehren – Aias stirbt nach einem Schiffbruch, Agamemnon wird ermordet, Odysseus irrt umher …

Beispielhaft für die jungen Krieger, die für den Sieg geopfert werden, erfindet Nolan einen Jungen aus Ithaka, dem er den Namen Sinon gibt, nach einer Figur, die ebenfalls zum ersten Mal in der Iliupersis auftritt. Der Sinon dort ist jedoch ein raffinierter Spion. Er macht den Trojanern ebenfalls das Trojanische Pferd schmackhaft, doch überlebt er und öffnet sogar nachts das Pferd. Für einen jungen Menschen, der aus politischen Gründen geopfert wird, steht in der Iliupersis  Astyanax, dem Sohn des trojanischen Helden Hektor. Er ist noch ein Kleinkind, wird aber nach dem Fall Trojas von den Griechen von den Klippen gestürzt, damit er nicht zum Rächer seines Vaters heranwächst. In einigen Versionen der Geschichte ist es Odysseus, der sich besonders für diese Lösung ausspricht – der strategische Vorteil geht ihm über Menschlichkeit.

Die Seevölker

Bei Nolan gibt es einen unerwarteten Plot-Twist, den man als politische Aussage verstehen kann: Es wird die ganze Zeit von den Seevölkern gesprochen, die angeblich von außerhalb die mykenische Zivilisation bedrohen. Doch Nolans Odysseus erkennt am Ende: »Wir sind die Seevölker«. Das geht zwar nicht auf Homer zurück, hat aber einen historischen Hintergrund. Die Seevölker tauchen wirklich in den Berichten der Zeit auf und werden zumindest teilweise für den Zusammenbruch von Großreichen im Nahen Osten und Ägypten am Ende der Bronzezeit verantwortlich gemacht. Es gibt aber Anzeichen, dass es sich dabei – teilweise – um Griechen handelte: In ägyptischen Inschriften heißen sie »Danuna« – vielleicht eine Version der »Danaoi« wie die Griechen bei Homer heißen.

Und es gibt auch noch einen literarischen griechischen Hintergrund für Odysseus‘ Erkenntnis: In der berühmten Tragödie König Ödipus forscht der Titelheld eifrig nach dem Mörder des früheren Königs, der den Zorn der Götter über die Stadt gebracht hat – doch er muss erfahren: »Du selber bist der Mörder, den du suchst!«.

Was Nolan wegließ

Natürlich musste Nolan vieles weglassen, wenn er die Odyssee zu einem Film verarbeiten wollte. Das war nicht nur eine Zeitfrage: Zugunsten der Action wurden auch Szenen zusätzlich eingefügt, wie z.B. der Mordversuch der Freier an Telemachos. Bei Homer lauern sie Telemachos zwar auf, doch der wird von Athene gewarnt und nimmt einfach einen anderen Weg nach Hause – kein Kampf, keine Bilder fürs Kino. Weil der Regisseur sich aber auf den düsteren, kriegerischen Erzählstrang konzentrieren wollte, hat er vieles weggelassen, was Homers Odyssee leichter und heiterer macht. In Nolans Männerwelt der »Brodyssee« sind einige Frauenrollen geschrumpft oder verschwunden, auch die Tricks, mit denen Odysseus seine Gegner reinlegt und die Zuhörer belustigt, fehlen im Film.

Die Frauen

Helena kommt bei Nolan wie bei Homer vor, als Telemachos sie und Menelaos in Sparta besucht. Bei Homer sind die beiden (zumindest nach außen) ein würdiges Königspaar, das seine Gäste formvollendet begrüßt. Helena hält üppig Hof, sie ergreift im Gespräch die Initiative, erzählt selbst eine Geschichte, die sie mit Odysseus erlebt hat, und beschenkt Telemachos zum Abschied. Um das Gespräch am Abend in Gang zu bringen, mischt sie am Abend psychoaktive Kräuter in den Wein. Bei Nolan dagegen wirkt Menelaos wie ein Zuhälter, der Helena in seiner Gewalt hat. Helena trägt eine große Narbe im Gesicht und spricht kaum.

Odysseus verbringt bei Nolan nur sehr wenig Zeit bei Kirke und geht auch nicht mit ihr ins Bett. Bei Homer bewirtet die Zauberin Odysseus und seine Mannschaft ein ganzes Jahr lang, und gleich nachdem sie von Odysseus besiegt wurde, lädt sie ihn ein, mit ihr »das Lager zu besteigen«, was die beiden dann auch ausgiebig tun. In anderen Varianten des Mythos haben sie sogar einen gemeinsamen Sohn.

In der Unterwelt trifft Odysseus nicht nur einen jungen Krieger seiner Mannschaft (bei Homer ist es Elpenor, der bei Kirke einen Unfall hatte), sondern auch seine Mutter, die während seiner Abwesenheit gestorben ist. Er weint über ihren Tod und versucht, sie zu umarmen, auch wenn das bei einem Schatten nicht möglich ist.

Bei Kalypso ist es sehr verständlich, dass Nolan ihre sexuelle Beziehung zu Odysseus nur andeutet: In der Odyssee heißt es, er teilte mit ihr das Lager »nicht wollend mit der wollenden«. – Ein Odysseus, der von einer Frau sexuell genötigt wird, wäre sicherlich schwer zu verfilmen.

Ebenso fehlt in Nolans Film Odysseus‘ Aufenthalt bei den Phäaken. Bei ihnen ging es traumhaft friedlich zu, sie liebten Sport, Spiel und Vorträge von Sängern – ein schöner Lichtblick im Epos, wahrscheinlich zu freundlich für die düstere »Brodyssee«. Außer diesem Idyll entgeht uns damit vor allem die junge Königstochter Nausikaa, die zum Wäschewaschen mit ihren Freundinnen ans Meer geht und dort den nackten, schiffbrüchigen Odysseus findet, in den sie sich sofort verliebt.

Zuhause in Ithaka trifft Odysseus im Film wie im Buch auf wenige, die ihm treu geblieben sind, darunter seine Amme Eurykleia und der Schweinehirt Eumaios. Doch während Eumaios im Film eine größere Rolle spielt, bleibt Eurykleia stumm und namenlos.

Penelope hat zwar eine zentrale Rolle in Nolans Version der Odyssee, doch wird die Wiedervereinigung der beiden nur dadurch gezeigt, dass sie am Ende zusammen mit einem Schiff aufbrechen. Bei Homer genießen sie »die Freuden der Liebe«, nachdem das Ehebett, das Odysseus eigenhändig gebaut hat, ausführlich beschrieben wird.

Athene erscheint bei Nolan noch seltener als bei Homer und spricht wenige, allgemein gehaltene Sätze. Ihr Gesicht gleicht jedoch einem Mädchen aus Odysseus traumatischen Kriegserinnerungen, das im Heiligtum der Athene geköpft wurde. Während es dieses Mädchen bei Homer nicht gibt, wird in einem anderen Epos der Zeit die Jungfrau Kassandra im Heiligtum der Athene vergewaltigt.

Was verliert Nolan, indem er die Rollen der Frauen in seinem Film so reduziert? An erster Stelle Sex, bzw. Erotik. Sie ist nicht das Hauptthema in Homers Odyssee, aber sie würzt die Geschichte an einigen Stellen und lockert sie auf. Daran hatte Nolan, der insgesamt etwas schwärzer malt als Homer, sicherlich kein Interesse. Beim Thema Vergewaltigung könnte auch Rücksicht auf ein amerikanisches, puritanisch gesinntes Publikum eine Rolle gespielt haben (wie vielleicht auch bei den Kostümen, die alle Männer züchtig mit Hosen ausrüsten, während unter dem griechischen Gewand so wenig war wie unterm Schottenrock).

Daneben sind Frauen wie Odysseus‘ Mutter, seine Amme und Penelope zugleich die Verkörperung der Heimat, des Zuhauses. Odysseus sagt es selbst zu Nausikaa, dass die Zusammenarbeit von Mann und Frau für ein gutes Zuhause sorgt: »Nichts ist besser und wünschenswerter auf Erden«. Während das Thema Erotik wie eine heitere Begleitmusik durch die Geschichte schwebt, ist das Zuhause, Familie und Heimat, ein besonders wichtiges, vielleicht das wichtigste Motiv der Odyssee. Es ist schließlich aus gutem Grund der Zielpunkt der langen Reise und nicht nur ein zufällig ausgewählter »Macguffin«, der die Handlung in Gang hält. Bei Nolan dagegen fühlt Odysseus sich nicht wert, nach Hause zu kommen. Er ist mit Schuld beladen und froh, dass er am Ende ins Exil gehen kann – jedoch zusammen mit Penelope, nach der er sich immer gesehnt hat. Das Zuhause des Odysseus, der Gutshof mit der Ehefrau als Verwalterin, dem Kind, den Sklaven, Vieh und der weiteren Dorfgemeinschaft, ist bei Nolan zusammengeschrumpft auf eine einzelne Person, die dem Helden noch Halt geben kann.

Das Reden, Erzählen und Verhandeln

Selbst Menschen, die nicht mit allen Aspekten der Odyssee vertraut sind, werden vielleicht eine Szene aus Homer vermissen: Es ist der berühmte Satz: Mein Name ist Niemand, mit dem Odysseus den Kyklopen in die Irre führt. Am Ende kann dieser darum nur schreien: »Niemand will mich umbringen«, und so eilen ihm seine Nachbarn nicht zur Hilfe. Nolan hat sich bewusst dafür entschieden, dass Odysseus mit dem Kyklopen nicht verhandelt. Das passt in sein Gesamtkonzept: Auch die Freier versuchen bei Homer, mit Odysseus zu verhandeln, indem sie ihm eine materielle Entschädigung anbieten. Verhandeln und täuschen gehört zu Odysseus‘ Grund-Charakterzügen bei Homer, aber nur sehr abgeschwächt bei Nolan. Sein Odysseus ist vor allem ein Kämpfer und ein Leidender. Auch Homer kennt ihn von dieser Seite: Polytlas, »der vieles erduldet hat«, ist sein Beiname im Epos. Bei Nolan ist das ein Mann, der unwiderruflich durch sein Leid gezeichnet ist. Wer jedoch verhandelt, der kann noch einen Kompromiss finden, bei dem ist noch nicht alles verloren, er gibt sich vielleicht auch mit weniger zufrieden. Das würde die dunkle Weltsicht abmildern.

Darum erleben wir Odysseus auch nicht bei den Phäaken als den Mann, der sich in großer Runde vom nackten Schiffbrüchigen zum trojanischen Helden zurückerzählt. In der Odyssee ist das Erzählen ein mächtiges Mittel, um sein Schicksal zu deuten und in den Griff zu bekommen. Odysseus erzählt vor den anderen und stellt seinen Ruf wieder her. Am Ende teilen Penelope und er ihre Geschichten im Ehebett, um wieder zueinander zu finden.

Bei Nolan gibt es die Rückerinnerung bei Kalypso: Hier ist das Erinnern wichtiger als das Erzählen – und es endet in der traurigen Erkenntnis, dass Odysseus seine Mannschaft nicht retten konnte. Später kommt in Ithaka die kurze, anonyme »Beichte« vor Penelope hinzu (das Gitter vor dem Frauengemach erinnert tatsächlich an einen Beichtstuhl), bei der Odysseus noch als Bettler getarnt nur andeutet, was ihn bedrückt, während uns Zuschauern der Film die Gräuel zeigt, die in Troja begangen wurden. Das Aussprechen hilft Odysseus zwar, doch kann es seine Heimat nicht für ihn »retten«.

Maßlose Rache

Man könnte meinen, dass die düstere Odyssee von Christopher Nolan Homers Geschichte verschärft und grausamer gemacht hat – das stimmt in dem Sinn, dass sie die heiteren Stellen auslässt und Kampfszenen hinzufügt. Doch ist Homers Odyssee aus unserer Sicht manchmal auch härter: Als Odysseus gegen die Freier kämpft, sieht man einige, die sich hinknien, zum Zeichen, dass sie sich ergeben. Bei Homer hilft ihnen das nicht: Ein Mann umfasst sogar Odysseus Knie und bettelt um sein Leben, doch Odysseus schlägt ihm von oben das Schwert in den Nacken. Am Ende steht der Held im Blut und in den Leichen von 108 erschlagenen Freiern. Die Auffassung von Rache war offensichtlich zu Homers Zeit anders als heute – so anders, dass sie sich vielleicht wirklich nicht mehr vermitteln lässt.

Nolans Odyssee ist nicht Homers - trotzdem hat der Regisseur aus der breit erzählten Geschichte starke Motive und Fragen ausgewählt, die uns so sehr bewegen wie die Menschen zu Homers Zeit. Homer war sich völlig klar darüber, dass er nicht der Erste war, der Troja und Odysseus besang, denn die Geschichten waren in mündlicher Überlieferung zu ihm gelangt. Er hat sicherlich auch gehofft, dass er nicht der Letzte war, denn zu seiner Zeit war absolut klar: Eine gute Geschichte lebt nur weiter, wenn sie immer wieder neu erzählt wird.

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