London – Geschichte trifft Gegenwart

7 spannende und kuriose Fakten über London

Reportage

1 – Keine Stadt aus der Retorte

London wurde nicht am Reißbrett geplant. Das historische Zentrum, unter dem Reste der bedeutenden römischen Siedlung Londinum schlummern, verschlang nach und nach sein Umland. Völlig planlos. Vom ersten Ortsschild mit dem Hinweis »London« fährt man heute mit dem Auto stundenlang durch ein Geflecht von Dörfern, Industriegebieten, Wohnquartieren und grünen Lungen, bis man den Stadtkern mit den berühmten Sehenswürdigkeiten, dem Finanzzentrum und dem Regierungssitz erreicht hat. Obwohl der Stadtplan keinem Ordnungsprinzip folgt, lässt sich dieses wilde Chaos in einen äußeren und einen inneren Bereich einteilen: Greater London umfasst eine Fläche von rund 1570 qkm und besteht aus 32 Boroughs (eigenständigen Stadtteilen) sowie aus der nur eine Quadratmeile großen City of London, dem historischen Kern, der innerhalb der römischen Stadtmauern lag. Drei wichtige Boroughs sind neben dem Finanzzentrum City of London beispielsweise der politische Machtmittelpunkt City of Westminster, das kulturell geprägte Camden oder das multikulturelle Tower Hamlets. Das Royal Borough of Greenwich hat unter den 33 Londoner Bezirken einen besonderen Status, schließlich wird er Nabel der Welt genannt. Denn hier liegt der Nullmeridian (0° Längengrad). Greenwich ist der Referenzpunkt, der die Erde in die östliche und westliche Hemisphäre teilt. Außerdem definiert der Ort die Weltzeit, die Greenwich Mean Time (GMT). Die einstige Seemacht ließ in Greenwich präzise Seekarten und Navigationsinstrumente herstellen.


2 – London Zoo

Am nördlichen Ende des Regent’s Park liegt der Londoner Zoo, bei seiner Eröffnung 1828 der erste Tierpark, der sich »Zoologischer Garten« nannte, weil er nicht nur Schaulust, sondern wissenschaftliche Neugierde befriedigen wollte. Er zeigt heute über 550 verschiedene Tierarten, und wagt darüber hinaus auch neue Konzepte: Bei In with the Lemurs läuft man durch ein begehbares Lemurengehege und erlebt die Tiere


3 – Zahlen und Rekorde

Im 19. Jahrhundert war London die größte Stadt der Welt: Um das Jahr 1800 hatte es schon über eine Million Einwohner, am Ende des Jahrhunderts waren es mehr als 5 Millionen. Heute leben im Ballungsraum 10,4 Millionen Einwohner, davon 9 Millionen im Stadtgebiet.

4 – Ruine voller Rosen

Eine klimafreundliche grüne Oase mit einer wichtigen Botschaft: Wer den Turm von St Dunstan-in-the-East ansteuert, erlebt eine Überraschung: Vom Kirchenschiff ist nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Ruine geblieben, zwischen den alten Mauern duftet ein Rosengarten. Die Kriegswunden mahnen zum Frieden, und der Rosengarten lädt zu meditativer Stille ein.


5 – Der große Gestank

Mitte des 19. Jahrhunderts stank London zum Himmel. Katastrophale hygienische Zustände (Great Stink) verursachten Cholera-Epidemien und forderten Tausende von Todesopfern. Alle Abwässer landeten im River Thames. Der große Gestank machte selbst die Parlamentsarbeit unerträglich. So verstanden die Abgeordneten, dass sie handeln mussten, und London kam zu einem fortschrittlichen Abwassersystem, das teils durch eine Tee-Steuer – im Volksmund »Stink-Steuer« genannt – finanziert wurde. Der Ingenieur Joseph Bazalgette baute zwischen 1859 und 1865 ein modernes Kanalisationssystem mit großen Sammelkanälen entlang der Themse, das Abwasser aus der Stadt herausleitete, statt es direkt im Zentrum in den Fluss zu kippen. Große Teile davon sind über 160 Jahre später noch immer in Betrieb.


6 – All you need is love

Die wichtigste Pilgerstätte für Beatles-Fans: Der weltberühmte Zebrastreifen vor den Abbey Road Studios in der gleichnamigen Straße (3 Abbey Rd, NW8 9AY) zierte ein legendäres Cover. Die Studios sind noch in Betrieb und können daher nicht besichtigt werden, aber im Shop nebenan gibt es Souvenirs und eine Mauer für Messages.


7 – Pudding mal anders

Von einer Süßspeise weit entfernt sind Londoner Puddings wie der Black Pudding: Er ist Teil des Full English Breakfast mit Eiern, Speck, Würstchen, Baked Beans, Tomaten, Champignons, Toast und Blutwurst – dem Black Pudding. Yorkshire Pudding, klassische Beilage des Sunday Roasts, zählt zu den Spezialitäten der einfachen Londoner Küche. Ein Teig aus Mehl, Eiern und Milch wird in sehr heißem Fett im Ofen gebacken, geht stark auf, wird außen knusprig und bleibt innen weich und luftig; serviert wird er zu Rinderbraten mit Gemüse und Bratensoße. Aus der Arbeiterküche kommt der Klassiker Pie & Mash, eine Pastete (gefüllt mit Rindfleisch oder Aal) mit Kartoffelpüree (Mash) und einer Petersiliensoße (Liquor). Die Eel Houses, die ihn traditionell servieren, haben typischerweise gekachelte Wände, eine Theke mit Marmorplatte und eventuell Sägemehl auf dem Fußboden. In solchen Pie and Mash-Lokalen darf nur mit Messer und Löffel gespeist werden. Schließlich darf man, so ein Gerücht, einem Cockney kein Messer anvertrauen. Sie sind inzwischen selten geworden. Typisch sind z.B. die drei Läden der Familie Manze in den Boroughs Southwark, Peckham und Sutton oder Arments Pie and Mash in Southwark.


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