Klöster – Entdeckungen in der Geschichte
7 spannende und kuriose Fakten über Klöster
Reportage1 – Eine universelle Idee
Woran denken wir, wenn wir das Wort »Kloster« hören? An Mönche oder Nonnen in rauen Kutten, die betend durch mittelalterliche Kreuzgänge laufen? – Oder an Mönche in leuchtend roten Gewändern vor dem Tigernestkloster im Himalaya? Auch wenn es in diesem Buch vor allem um die christlichen Klöster Europas geht, lohnt ein kurzer Blick über den europäischen Tellerrand. Denn die Idee des Klosters ist nicht auf eine Kultur oder Religion begrenzt.
Worum geht es eigentlich? Um eine andere Art zu leben – frei von den üblichen Verpflichtungen des Alltags, frei für Spiritualität, inneres Wachstum und – in vielen Religionen – für Gott. Das Wort »Mönch« kommt vom altgriechischen monachos, und das wiederum von monos, »einzeln«, verwandt mit unseren Wörtern wie monoton, Monogamie oder Monopol. Es betont damit die Unabhängigkeit der Mönche von der weltlichen Gemeinschaft.
An den Wurzeln des christlichen Mönchtums stehen Menschen, die sich in die Wüste zurückzogen, um dort als Einsiedler zu leben. Dort hatten bereits vor dem Christentum jüdische Gruppen, Essener genannt, nach einem mönchischen Ideal gelebt. Auch viele Sadhus, die Mönche im Hinduismus, ziehen seit jeher allein und ungebunden als Bettler durchs Land, andere schließen sich zu Ashrams, also Meditationszentren bzw. Klöstern zusammen oder folgen einem Lehrer. Die ersten Jünger Buddhas im 6. Jahrhundert v. Chr. waren Mönche, die unter anderem auf eine feste Heimat und selbst auf eine Unterkunft verzichteten. Auch hier entstanden aber nach einiger Zeit Mönchsgemeinschaften und Klöster – wie zum Beispiel das berühmte Tigerkloster im Himalaya.
Obwohl Mohammed betonte, dass ein glaubender Mensch immer seiner Familie und der Gemeinschaft verpflichtet ist, gab es im IslamIslam seit dem Mittelalter ungebunden umherziehende Sufi-Mönche – auch hier wurden später Ordensgemeinschaften gegründet, zum Beispiel die Mevlevi-Gemeinschaft aus Konya, die als »tanzende Derwische« bekannt wurden. Die dazugehörigen Gebäude heißen auf Türkisch tekke, auf Arabisch takya, die Sufis leben hier jedoch nur zeitweise.
Im Kloster leben also Menschen, die sich gerade nicht einbinden oder vom Alltag einfangen lassen wollen, und doch leben sie dort gemeinsam, gebunden an eine Klostergemeinschaft – im Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit und Bindung an die Gemeinschaft bewegen sich Klosterleben und -regeln.
2 – Warum beten und arbeiten?
Der berühmte Einsiedler Antonius soll Gott in der Wüste gebeten haben, ihm einen Ausweg aus seiner Niedergeschlagenheit zu zeigen. Daraufhin sah er in einer Vision sich selbst, wie er abwechselnd arbeitete und betete. Er erkannte, dass dies eine Botschaft Gottes war, wie er sich aus der Grübelei befreien konnte.
3 – Eine besondere Klosterbaustelle
Was 1200 Jahre lang eine Idee war, soll heute umgesetzt werden: In der Nähe von Meßkirch, zwischen Donau und Bodensee betreibt ein Verein den Campus Galli: Dort arbeiten Menschen mit der Ausrüstung des Mittelalters, um ein Kloster nach dem St. Galler Plan aufzubauen. Jeder Stein wird mit Hammer und Meißel behauen, jeder Korb, der die Steine transportiert, ist von Hand geflochten, die Weidenruten dazu von Hand geschnitten. Die Baustelle gibt heutigen Menschen einen lebhaften Eindruck vom Alltag im Mittelalter, zugleich gewinnen Historiker wertvolle Erkenntnisse über heute vergessene Techniken.
4 – Ewiges Gebet
»Betet ohne Unterlass«, so heißt es in einem Brief des Apostels Paulus. Von dieser Aufforderung ist das Stundengebet inspiriert, das den ganzen Tag über Gebetszeiten vorsieht. Einige Klöster nahmen den Apostel aber noch wörtlicher: Die Abtei Saint Maurice im Wallis teilte im 6. Jahrhundert als erste ihre Mönche in Gebetsschichten ein, die sich rund um die Uhr ablösten. Andere Klöster folgten, zum Beispiel Saint Denis bei Paris.
5 – Reden ist silber ...
Ein kleines Schwätzchen in der Freizeit – das gab es bei Benedikt nicht. Die Mönche sollten entweder schweigen oder lesen bzw. sich vorlesen lassen. Sogar beim Essen sollten sie schweigend einem Vorleser zuhören, der biblische Texte oder Predigten vorlas. Mit der Zeit entwickelte sich ein ganzes Repertoire von Handzeichen, die das Reden ersetzten.
6 – Die graue Renette
Wie planmäßig und engagiert die Zisterzienser die Landwirtschaft betrieben, lässt sich an einer Apfelsorte verfolgen: Die Graue Renette wuchs ursprünglich im Garten des Klosters Morimond in Burgund. Wenn die Zisterzienser eine Gruppe von Mönchen losschickten, um ein neues Kloster zu gründen, nahmen diese auch Pfropfreiser von den besten Obstbäumen mit. Im neuen Klostergarten wurde das Reis auf einen jungen Baum aufgepfropft, so dass man bald auch dort Graue Renetten ernten konnte. Wir können den Weg des Apfels von Morimond nach Kamp am Niederrhein, nach Pforta in Sachsen Anhalt und von dort bis nach Leubus in Schlesien verfolgen.
7 – Der Alltag der Nonnen
Der Alltag in Nonnenklöstern war im Prinzip so aufgeteilt wie in Mönchsklöstern. Die Stundengebete gliederten den Tag, daneben gab es Zeiten der Lektüre und Zeiten der Arbeit. Der Hauptunterschied war, dass die Klausur, also die Trennung von der Welt, bei ihnen oft noch strenger gehandhabt wurde.
Nonnen und Laienschwestern arbeiteten durchaus im eigenen Obst- oder Gemüsegarten, der innerhalb des Klausurbereichs lag, doch Pflügen und Dreschen draußen auf dem Feld zum Beispiel galt als reine Männerarbeit. Darum wurde von den Frauenklöstern auch keine Selbstversorgung erwartet. Sie wurden immer teilweise durch Abgaben und Spenden versorgt. Innerhalb der Klausur schrieben auch Frauen im Kloster Bücher ab. Sie fertigten außerdem Gewänder und Wandbehänge für den Gottesdienst an. Wenn Frauenklöster ein Krankenhaus betrieben, so arbeiteten dort nur die Laienschwestern, die außerhalb der Klausur lebten.
Obwohl dieses Leben auf den ersten Blick einengend wirkt, war das Klosterleben für sehr viele Frauen attraktiv, jedenfalls attraktiver als eine arrangierte Ehe mit einem unbekannten Partner und vielen riskanten Geburten. Die Nonnen wählten ihre Äbtissin selbst, das heißt, die Frauen lebten oft selbstbestimmter als draußen in der Welt, wo immer ein Ehemann oder männlicher Verwandter über sie bestimmte. Man schätzt, dass im Mittelalter ca. 10% der Frauen in einem Kloster lebten.
