Franz von Assisi heute
Franz von Assisi, gestorben 1226 vor 800 Jahren, gilt zahllosen Menschen (innerhalb und außerhalb des Christentums) als Vorbild für ein geschwisterliches friedliches Leben. Wozu kann sein Leben mich heute inspirieren, fragt Sarah Elisa Kreutzer.
InspirationUm- und Aufbrüche in meinem Leben
Im gewohnten Rahmen zu bleiben, gibt meist Halt und Sicherheit sowie oft auch Vertrautheit und Geborgenheit. Doch manchmal geht es nicht mehr so weiter wie bisher. Werte oder Wertvorstellungen ändern sich, eine existenzielle Entscheidung wird getroffen, neue Erkenntnisse führen in mehr Weite oder es reift die Klarheit, dass eine einschneidende Veränderung buchstäblich notwendig ist. »Wege entstehen im Gehen« ist erfahrungsgemäß leichter gesagt als getan. Aufzubrechen und den eigenen Weg zu wagen, fordert heraus.
Um sich ganz auf Neues einlassen zu können, gilt es häufig, Vertrautes loszulassen – seien es gewohnte Wege oder Aufgaben, Beziehungen oder Verbindungen, Haltungen oder Strukturen. Das bringt gleichermaßen Chancen und Risiken mit sich. Das macht empfindsam und verletzlich zugleich. Da steckt im Aufbrechen neben dem Umbruch auch mancher Weg- und Abbruch – von Kontakten, Sicherheiten und Liebgewonnenem. Wie wichtig und Halt gebend ist es dann, wenn es Menschen gibt, die den Aufbruch schützend und unterstützend begleiten. Mal mehr, mal weniger ist mir bewusst, was Auf- und Umbrüche in meinem Leben bedeuten und bewirkt haben.
Mich inneren und äußeren Lebensstürmen stellen
Gestärkt aus einer Krise hervorgehen. Erfahren, dass Stürme durchaus auch Wachstum schenken. Das lässt sich häufig erst rückblickend feststellen. Doch wenn man mittendrin steckt, das Lebensboot gefährlich schwankt und schaukelt, ist das nicht im Fokus. Wenn die Wellen tosen, das Leben einen beutelt und gewissermaßen hin- und herwirft, ja, wenn der Sturm allzu heftig tobt und man zu ertrinken droht, dann kommt Angst oder gar Panik auf. Hilfe wird unterschiedlich erbeten – Zuflucht und Halt sucht jeder anders.
Hilfreich und tröstend kann es sein, wenn dann jemand da ist, der fest steht und Ruhe ausstrahlt. Wenn jemand da ist, der beruhigend die Hand hebt, erinnert und mahnt: Verliere in der Hektik – in den Stürmen deines Lebens – das Vertrauen nicht! Ein Satz, der nachhallt und nachwirkt. Sie lassen sich selten vermeiden, diese unberechenbaren inneren und äußeren »Lebensstürme«. Doch es lohnt, sich ihnen zu stellen und sich ihnen auszusetzen. Und mittendrin flehend die Hände zu erheben, zu bitten und zu beten: Hilf mir vertrauen! Mal mehr, mal weniger bin ich mir bewusst, wie wichtig es ist, in Nöten das Vertrauen nicht zu verlieren.
Meinen Träumen trauen – beherzt handeln
Träumen ist ein Akt der Freiheit, ein Bild von Möglichkeiten, die vor uns liegen. Doch oft hindern Zweifel und Ängste daran, Träumen zu vertrauen und sie zu leben. Ein »Aber« folgt dem nächsten und es gibt gefühlt tausend Gründe dafür, dass der Traum nur Schaum, bedeutungslos oder »nicht der Rede wert« ist. Dann kann es heißen: Handlungsfreiheit gewinnen oder zurückerobern! Sich aufraffen, von Lähmungen oder »Fesseln der Furcht« befreien und beherzt handeln. Den Mut finden, das zu tun, was uns tief im Innern ruft – auch wenn der Weg noch unklar und herausfordernd scheint. Mitfühlende Beherztheit ist genauso gefragt: Die Not anderer erkennen, nicht wegsehen und Leid nicht ausblenden. Schmerzvolles und Unrecht nicht ignorieren, sondern aktiv werden. Es braucht Menschen, die nicht nur mitleiden, sondern auch beherzt handeln, um Veränderung(en) zu bewirken. Wenn viele dies gemeinsam träumten, so wäre es der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Mal mehr, mal weniger bin ich mir bewusst, dass Traumvertrauen und mitfühlende Beherztheit ermutigen, mich und andere zum Leben befreien.
Franziskus, im Blick auf dein Vor-Bild frage ich mich:
Inwiefern bin ich mitfühlend und handle beherzt?
Wer oder was hilft mir, Leid mitzutragen oder selbst zuzulassen, und gelingt es mir leidvolle Erfahrungen als weiterführend in mein Leben zu integrieren?
Und (wo) gibt es die Erfahrung, dass ich, in Lähmungen verhaftet, eigenen Träumen traue und (Handlungs-)Freiheit gewinne?
Sarah Elisa Kreutzer arbeitet heute als Seelsorgerin in der St. Elisabeth-Stiftung in Bad Waldsee und ist franziskanisch engagiert unterwegs. Ihre Impulse stammen aus dem Buch: Niklas Kuster / Sarah Elisah Kreutzer, »Geerdet und beflügelt: Franz von Assisi. Sein Leben in der ältesten Bildbiografie«.
