Die Qual der Wahl – So treffen Sie gute Entscheidungen
Zwischen Angst und Bauchgefühl: Wie gelingt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen? Josef Giger-Bütler gibt überraschend einfache Antworten.
Interview LebenshilfeKarriere oder Kinder? Kaufen oder Mieten? Trennung oder Neustart? Immer wieder in unserem Leben sind wir mit wichtigen Entscheidungen konfrontiert. Und gerade weil diese oft weichenstellend sind, tun wir uns schwer damit. Schließich können Sie unsere Zukunft zum Guten – aber eben auch zum Schlechten wenden.
Allerdings sind es beileibe nicht nur die großen Fragen des Lebens – auch der banale Alltag konfrontiert uns mit einer Fülle von Optionen, die uns tagtäglich zu Entscheidungen zwingen: Auto oder Fahrrad? Kino oder Theater? Pasta oder Pizza … Kein Wunder, dass wir uns manchmal danach sehnen, dass uns irgendjemand die Entscheidung abnimmt, die Welt weniger komplex sein möge oder Dinge alternativlos …
Dabei gibt es Strategien, die uns nicht nur dabei helfen, uns leichter und schneller zu entscheiden, sondern sogar dazu führen, dass der Entscheidungsprozess mehrheitlich zu guten Ergebnissen führt. Der Psychotherapeut Josef Giger-Bütler hat sich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt und nun seine Erkenntnisse in einem hilfreichen Leitfaden zusammengefasst, der die einfache, aber entscheidende Frage in den Mittelpunkt stellt: Worum geht es mir eigentlich?
Lebe gut: Ob bei wichtigen Weichenstellungen in unserem Leben oder morgens vor dem Kleiderschrank – ständig müssen wir uns entscheiden; und tun uns damit oft erstaunlich schwer. Dabei sollte man doch eigentlich annehmen, dass es Freude macht, aus einer möglichst großen Fülle von Alternativen die beste auswählen zu können. Stattdessen scheint die Angst vor einer Fehlentscheidung zu überwiegen … Wie erklären Sie sich das?
Josef Giger-Bütler: Sicher ist die Angst vor Fehlentscheidungen und den damit verbundenen Folgen groß. So groß, dass man sich auch nicht damit beschäftigt, wie man entscheiden kann, ohne Angst haben zu müssen. So bleibt man ständig am gleichen Ort und ist froh, wenn man nicht entscheiden muss. Auf diesem Weg kommt man zu keiner Sicherheit im Entscheiden und damit auch nicht zu einem Vertrauen in seine Entscheidungsfähigkeit. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Frageform gibt, die zu guten Antworten führt, die den Menschen nicht überfordert und die ihm Angst nimmt und zu mehr Selbstvertrauen auch im Entscheiden bringt und das Selbstbewusstsein steigert.
Die WOGE-Frage
Lebe gut: »Ein praktischer Leitfaden für gute Entscheidungen« lautet der Untertitel Ihres neuen Buchs. Offenbar gibt es also einen Lösungsweg, der sich sowohl für die großen, als auch für kleinen Entscheidungen unseres Lebens anwenden lässt und uns tatsächlich das Gefühl vermittelt, die für uns individuell richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das klingt zu schön, um wahr zu sein …
Josef Giger-Bütler: Beim Entscheidungsprozess nach der WOGE-Frage: «Worum geht es mir denn eigentlich?» und «Was ist mir wichtig?» handelt es sich um ein Vereinfachen des Entscheidungsprozesses. Es geht um einen Lösungsweg, der sich auf das Wesentliche konzentriert und für jeden Entscheid anwendbar ist. Mit der WOGE-Frage kommt der Mensch direkt zu einer Antwort, die ihm entspricht und zu der er Ja sagen kann. Es ist seine Antwort, getragen von seinen Werten und Ausdruck seiner Persönlichkeit.
Lebe gut: Können wir das mal an einem Beispiel verdeutlichen?
Josef Giger-Bütler: Nehmen wir das Beispiel »Autokauf« aus meinem Buch. Es gibt bei diesem Thema tausend Aspekte, emotionale, technische, wirtschaftliche … Aber es gibt einen Faktor, der für einen ganz bestimmten Menschen letztlich Priorität hat. Konkret: Auf die Frage »Worum geht es mir wirklich?« lautet eine mögliche Antwort also: »Wir brauchen ein neues Auto, es darf nicht zu viel kosten und es sollte auch nicht zu viele Kilometer haben.« Die WOGE-Frage hilft also dabei, sich nicht zu verheddern, sondern leitet den Menschen schnell und eindeutig zu der Antwort, die für ihn persönlich zutrifft, für ihn stimmig ist und ihn damit überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Lebe gut: Wenn sich die WOGE-Frage so effektiv bei der konkreten Entscheidungsfindung erweist – birgt das ihr zugrunde liegende WOGE-Prinzip dann womöglich noch weiteres Potential?
Josef Giger-Bütler: In der Tat, mit jeder WOGE-Entscheidung lernt der Mensch sich besser kennen und erfährt, was ihm wichtig ist. Seine persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse kommen also immer deutlicher zum Vorschein und erleichtern damit auch die weiteren Entscheidungsprozesse.
Lebe gut: Könnte man die WOGE-Frage in gewissem Sinne also als »Lebensfrage« bzw. »Lebensprinzip« bezeichnen?
Josef Giger-Bütler: Die WOGE-Frage ist in der Tat eine »Lebensfrage«, weil ihre jeweilige Antwort vom Lebensverständnis des jeweiligen Menschen geprägt ist. Jede Antwort auf eine WOGE-Frage wird zunehmend zu einer Art Kompass für den Menschen. Im Buch schreibe ich dazu: »Diese von der WOGE-Frage aktivierten und ins Bewusstsein gebrachten Lebensthemen sind Wegweiser für die Entscheidungen eines Menschen und für sein Leben. Um sie weiß er, zu ihnen trägt der Mensch Sorge und sie hütet und pflegt er. Sie sind es, was er als Besonderheit seiner Persönlichkeit und als Grundausrichtung seines Lebens lebt und pflegt. Sie machen seine Entscheidungen und sein Leben so persönlich und einmalig wie seine Handschrift.«
Dieses Interview ist in unserem Kundenmagazin Herbst 2026 erschienen.
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