Türchen 3 – Grundlose Freude?

Die Weihnachtsgeschichte ist auch eine Geschichte des Mutes und der Freude. Ein altmodischer Begriff führt beides zusammen. Irene Leicht und Gotthard Fuchs haben sich dazu Gedanken gemacht

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Frohmut

Irene Leicht: Freude gehört bekanntlich zu den »Dingen«, die man nicht machen kann. Sie stellt sich ein aufgrund von Erfahrungen, die positiv für sich sprechen und »einfach guttun«. Aus gutem Grund ist sie für Paulus eine »Frucht des Geistes« (vgl. Gal 5,22) – das Gegenteil von Leistung und »Werkerei«. Was Freude im Sinne von Frohmut bedeuten kann, kommt in wunderbarer Weise in einem Gedicht von Mascha Kaléko zum Ausdruck, das mit den Worten »Sozusagen grundlos vergnügt« überschrieben ist. Die Wunder von Flora, Fauna und dem Wechsel der Jahreszeiten werden darin besungen. Mittendrin heißt es:

»Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.«

Und am Ende:

»Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, dass ich … Dass ich mich freu.«

Die frohe Stimmung ist grundlos, sie kennt keine Gründe. Sie ist nicht dem geschuldet, dass etwas geleistet oder vollbracht, etwas gewonnen oder erworben wurde. Im seltenen Mädchennamen Frohmut wird dieses Frohgemutsein Person. Adjektiv und Name sowie das Gedicht von Mascha Kaléko erinnern daran: Froh zu sein bedarf es wenig. Spirituelle Freude strömt aus einer verborgenen inneren Quelle. Und sie erwächst meist aus der staunenden und dankbaren Wahrnehmung des Einfachen, des vermeintlich Selbstverständlichen.

Gotthard Fuchs: »Ich danke Gott und freue mich
Wie’s Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
Schön menschlich Antlitz habe.«

In diesem Gedicht von Matthias Claudius drückt sich dankbar biblischer Schöpfungsglaube aus, wie er im Lichte der Christusbotschaft aufleuchtet. »Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns?« (vgl. Röm 8,31). Das ist der österliche Grund christlicher Lebensfreude, die innere Mitte christlicher Mystik. Ein Franz von Assisi konnte sich sogar des Leidens freuen, weil es die Verbindung mit Christus stärkt und den Frieden fördert. Das Evangelium ist eine frohe Botschaft. Umso nachdenklicher stimmt immer neu Nietzsches Frage, warum die real existierenden Christenmenschen von dieser Freude so wenig ausstrahlen …

Aus dem Buch